Herbst Winter 2023

Standard­isierte Prozesse schaffen Vorsprung

Elementare und komplexe Arbeitsprozesse digital abzubilden heißt die Zauberformel bei RIEDERBAU. Der Einsatz von Technologie „state of the art“ geht in die nächste Runde. Unternehmen profitieren in mehrfacher Hinsicht vom Know-how der Unterinntaler Pioniere. Neue digitale Wege schlägt auch die RIEDERBAU-Holztechnik ein.

Wir helfen Firmen im Baugewerbe, besser zu werden – mit diesem Credo schafft RIEDERTECH, ein Unternehmen der RIEDERBAU-Gruppe, den entscheidenden Schritt in Richtung Digitalisierung für sich und Mitstreiter*innen. Elektronische Tools und Software, die zunächst im eigenen Betrieb entwickelt, getestet und implementiert wurden, setzen Standards in der Branche. Unter dem vielversprechenden Produktnamen „myBauOffice“ stellt RIEDERTECH eine integrierte Softwarelösung für Unternehmen im Bauwesen vor. Das modulare System ist bei RIEDERBAU seit längerem im Einsatz, bis Ende 2023 sollen alle Abteilungen bei der Unterinntaler Baufirma „on board“ sein. „Um alltagstaugliche digitale Unterstützung in unserer komplex gewordenen Bauwelt zu etablieren, müssen wir ganz genau auf die wesentlichen Probleme schauen, mit denen wir und andere bei unserer Arbeit konfrontiert sind“, beschreibt Programm Manager Andreas Huber die Basis für die Entwicklung und Implementierung von myBauOffice. Er gilt als Mastermind hinter der smarten Lösung von RIEDERTECH. Huber weiter: „myBauOffice ist keine simple Projektlösung, sondern eine vollumfängliche Unternehmenslösung. Sie bildet einerseits den Workflow digital ab, andererseits die gesamte Organisation mit ihren Beteiligten.“ Das Konzept hinter myBauOffice ist in drei Module – Kollaboration und Dokumentenmanagement, Prozess- und Projektmanagement sowie Business Intelligence – gegliedert und wird auf Messen sowie in Online-Kanälen präsentiert. Zurzeit wird das Programmpaket bei potenziellen Kund*innen getestet.
 

GRÖSSERE INFORMATIONSTIEFE DURCH DIGItalisierung

Bei RIEDERBAU wird der Weg in Richtung Digitalisierung aller Unternehmensvorgänge konsequent beschritten. Mit der Einführung der digitalen Eingangsrechnung gelang ein großer Sprung nach vorn. Der Cloud-Service wird von einem externen Dienstleister zur Verfügung gestellt. Auf der Basis des Dienstes werden pro Jahr ca. 15.000 Eingangsrechnungen verarbeitet. „Wir erreichen mit dem webbasierten System eine zuvor nicht gekannte Infor- mationstiefe. Mehr generierte Daten bedeuten hier Komfortgewinn und exakte Nachvollziehbarkeit“, beschreibt Prokurist Dipl.-Ing. Richard Thrainer den Kern des inno- vativen Dienstes. Außerdem weist die digitale Eingangsrechnung in Richtung Nachhaltigkeit. In Zukunft tritt für die Bauwirtschaft ein EU-Gesetz in Kraft, im Zuge dessen dokumentiert werden muss, welchen CO2-Ausstoß ein Erzeugnis verursacht. Der Zugang zum neuen Web-Service gestattet die Freigabe von Rechnungen von jedem Ort aus – besonders interessant für Bauleiter*innen, die sich außerhalb ihres Büros befinden. Überdies werden die gelieferten und generierten Daten mit der firmeneigenen ERP-Anwendung verknüpft.

„DIGITALER ZWILLING“ UND ÖKOBILANZ

Nach wie vor starken Aufschwung verzeichnet „Building Information Modeling“ (BIM), das von RIEDERBAU als Dienstleistung für Kund*innen angeboten wird. Insgesamt stehen bei dieser Arbeitsmethode sieben Ebenen zur Auswahl. Die ersten drei Levels betreffen die Planung des Objekts, Level 4 bezieht sich auf Zeitfaktoren wie etwa den Bauablauf und die Lieferung just in time. Auf Ebene 5 werden die Kosten abgehandelt. Stufe 6 ermöglicht auf Basis eines „digitalen Zwillings“ Computer Aided Facility Management (CAFM) zu betreiben. Den nächsten Schritt bildet SCALE auf Level 7, mit dessen Hilfe eine umfassende Ökobilanzierung und der „CO2-Footprint“ realisiert werden (mehr dazu lesen Sie ab Seite 20). „Der große Vorteil der BIM-Methodik ist die gemeinsame Zusammenarbeit an einem einzigen 3D-Modell. Somit werden Informations- und Datenverluste vermieden und der digitale Zwilling kann für alle sieben BIM-Phasen herangezogen werden. D. h. es können während der Planungsphase erste CO2-Bilanzen visuell dargestellt und somit bereits Optimierungen in der Planungsphase abgeleitet werden“, erklärt Johannes Sulzenbacher, Projektleiter für BIM+CAFM bei RIEDERTECH. RIEDERBAU vereint alle Fachdisziplinen unter einem Dach und macht somit auch eine modulweise Bestellung einzelner BIM-Phasen möglich.“
 

"Um alltagstaugliche digitale Unterstützung in unserer komplex gewordenen Bauwelt zu etablieren, müssen wir ganz genau auf die wesentlichen Probleme schauen, mit denen wir und andere bei unserer Arbeit konfrontiert sind."

Andreas Huber

BITS UND BYTES BEI HOLZ

Der Holzbau in St. Jakob in Haus entwickelte sich in der jüngsten Vergangenheit zu einem Vorfertigungsbetrieb mit hohem Digitalisierungsgrad. „Zusätzlich zur bereits bestehenden Abbundanlage haben wir mit der neuen Portalbearbeitungsanlage von Homag/Weinmann inklusive zwei neuen Fertigungstischen mit Schmetterlingswender ein echtes Herzstück des Standorts geschaffen“, berichtet Andreas Embacher, Teamleiter bei RIEDERBAU-Holztechnik. Bei den Anstrengungen in Richtung elektronisch unterstützter Produktion kann sich der Betrieb auf eine hoch motivierte Mannschaft stützen, die sich bereitwillig auf Innovationen einstellt. Selbst die Ergonomie kommt nicht zu kurz. So werden große und sperrige Teile mit den Vakuumhebern der neuen Säulenschwenkkräne auf die Wandelemente gebracht. Das schont die Gesundheit der Mitarbeiter*innen und steigert die Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

WARENWIRTSCHAFT NEU

Bei RIEDERBAU-Holztechnik in St. Jakob in Haus wurde in der Zwischenzeit ein System zur Selbstentnahme von Material realisiert, das eine automatische Verbuchung, Bestandsführung und Nachbestellung ermöglicht. „Mit der digitalen Methode wird garantiert, dass Klein- und Verbrauchsartikel jederzeit in ausreichender Menge verfügbar sind“, erklärt Oliver Schwarz, verantwortlich für den Einkauf & Logistik, die neue Power bei der Warenwirtschaft. Die Fertigungsplätze in der Produktion wurden mit Versorgungsinseln ausgestattet. So werden die passenden Materialien und Befestigungsmittel durchgängig in ausreichender Menge und am richtigen Ort bereitgestellt. Die Entnahme erfolgt per Scan mit Zuordnung und automatisierter Verbuchung auf das Projekt bzw. die Kostenstelle. Das Handling lässt den eleganten Überblick über die eingesetzten Materialien und deren Massen in Echtzeit zu. Der Lieferantenartikelstamm wurde mit dem ERP-System von RIEDERBAU verknüpft und mittels passender Schnittstelle werden die Verbrauchsdaten automatisch an das un- ternehmenseigene ERP-System übergeben. „Ohne Zweifel ein Programmieraufwand, der sich aber nachhaltig lohnt und erhebliche Kostenvorteile in der Warenausgabe und Lager-Bewirtschaftung mit sich bringt“, beschreibt Oliver Schwarz den gelungenen Schritt bei der Verwendung der Software. Weitere positive Effekte der Digitalisierungs-Maßnahmen in St. Jakob in Haus sind ein Rund-um-die-Uhr-Zugang zu den Materialien, die automatisierte Ausgabe und Lagerführung, die interne Zeit- und Kostenreduktion, die Fehlerminimierung durch automatisierte Nachbestellung, die gesteuerte Nachbefüllung durch die Lieferanten sowie die rasche Datenauswertung von eingesetztem Material für jedes Projekt.

MIT DER APP DIE BAUSTELLE ÜBERBLICKEN

myBauOffice ist als mobile App verfügbar. Damit wird es ein Leichtes, die Baustelle vollständig zu dokumentieren. Selbst Kleinbaustellen werden umfangreich abgebildet. Es muss dazu kein zusätzliches Team definiert werden, Aufgaben können in den Projekten zeitlich nachverfolgt werden. Rollenbasierte Dashboards zeigen zur Person gehörige Aufgaben, Baustellen, Teams und Geschäftsbereiche.