Herbst Winter 2025

SCALE: Eine Software für die Ökobilanzierung

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, steht die Baubranche immer wieder am Pranger: Zu viele Ressourcen würden verbraucht, zu hoch sei der CO2-Ausstoß, zu gering die Recyclingquote von Baumaterialien und obendrein ist es die Baubranche, die den Boden versiegelt, wenn auch in fremdem Auftrag.

In der Tat ist lange zu wenig auf die Ökobilanz des Bauens und von Gebäuden geachtet worden. Die Branche ist aber bereit, ihren Beitrag zum Klima- und Landschaftsschutz zu leisten. RIEDERBAU ist Mitgründer der seit 2023 bestehenden SCALE Umweltberatung. Neben umfassender Beratung für die Baubranche war die Entwicklung einer Software für die Ökobilanzierung Gründungsziel. Dieses Tool steht inzwischen zur Verfügung und erleichtert die Bewertung von Nachhaltigkeitsfaktoren von Gebäuden deutlich.

 

NACHHALTIG BAUEN MUSS NICHT TEURER SEIN

Das Beratungsunternehmen SCALE widmet sich den namensgebenden Themen Sustainability, Construction, Assessment, Lifecycle und Efficiency, zu Deutsch Nachhaltigkeit, Konstruktion, Bewertung, Lebenszyklus und Effizienz. Eine positive Ökobilanz, so lautet die Botschaft, stehe in keinem Gegensatz zu effizientem und damit auch kostensparendem Bauen. Auch Anton Rieder ist überzeugt davon, dass der Weg in diese Richtung führt: „Wir sehen, dass Bestandsbauten oft die bessere Ökobilanz aufweisen als Neubauten“, erläutert er kritisch, „dabei haben wir das Wissen und die Technologien, Gebäude heute wesentlich umweltschonender zu errichten als frühere Generationen.“ 

 

Entscheidend für ökologisches Bauen ist die Berücksichtigung aller Lebensphasen eines Gebäudes bereits in der Planung. Dazu zählen die Wahl und Produktion der Materialien, der Bauprozess selbst, die Gebäudenutzung und das Ende der Nutzung mit möglichem Abbruch und Rückgewinnung sowie Wiederverwertung von Bestandteilen. Kostengünstig und ökologisch auf lange Sicht ist beispielsweise eine Planung, die es ermöglicht, ein Gebäude unter geringem Aufwand veränderten Nutzungen anzupassen.

MATERIAL: Ausgewählt für diese Datenausgabe sind der OI3 (= der für die Wohnbauförderung relevante Ökoindex-3-Wert), sowie EPD/Material, d. h. eine Anzeige der Materialien nach den europäischen Umweltproduktdeklarationen (EPD = Environmental Product Declaration). Die Auswahllisten (Dropdown) sind am Screenshot ganz oben zu sehen. Das Tortendiagramm zeigt, wie hoch der Anteil der einzelnen Materialien am OI3 ist. Für die Berechnung werden die ökologischen Werte aus den EPD herangezogen.

MATERIALVERGLEICH ANHAND DES PROJEKTS CLARAPARK: Zwei Varianten für dasselbe Bauvorhaben. Für die Variante rechts wurden zum Teil Außenwände mit konventionellem Aufbau gewählt und der Ökoindex wurde neu berechnet. Im OI3 sind die drei Indikatoren nicht-erneuerbare Primärenergie, globales Erwärmungspotenzial und Versauerungspotenzial zusammengefasst.

FRÜHER VARIANTENVERGLEICH UND INTEGRATION VERSCHIEDENER DATENBANKEN

Zwar hat die Europäische Union mit der Omnibus-Verordnung vom Februar 2025 die Berichtspflichten für europäische Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zum Teil verschoben, zum Teil gelockert, aber das ändere nichts an der Bedeutung des Anliegens, betont Anton Rieder: „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind eine Aufgabe für die Bauwirtschaft. Bei der Bewältigung dieser Aufgabe unterstützt uns die Digitalisierung: Mit der neuen Software von SCALE können das Treibhauspotenzial und die Kreislauffähigkeit von Immobilien schon in der Planungsphase analysiert werden.“ SCALE verknüpft alle relevanten Daten über Baumaterialien, Bauteile und Öko-Standards mit einer BIM-basierten Planung (BIM = Building Information Modeling). Automatisierte Auswertungen zeigen, wie sich verschiedene Anpassungen, beispielsweise durch einen Materialtausch, auf die Gesamtbilanz auswirken. So liefert die Software schon in der frühen Planungsphase eine Entscheidungsgrundlage. Dämmplatten wie z. B. die konventionellen Styroporplatten etwa stellen eine hohe ökologische Belastung dar, weil bei ihrer Produktion viel CO2 entsteht. Eine Reduktion dieses Materials kann in bestimmten Fällen die ökologische Gesamtbilanz begünstigen, auch wenn der Dämmwert durch weniger Material etwas niedriger ausfällt. „Bei einer Lebenszyklusanalyse werden die CO2-Emission in der Produktion und im Gebäude- betrieb berücksichtigt. Im Betrieb haben sich die Emissionen bei Neubauten drastisch reduziert. Deshalb haben die Gebäudematerialien einen beachtlichen Anteil an den Umweltauswirkungen und verdienen besondere Aufmerksamkeit“, erläutert Johann Fuchs, Integrale Planung bei RIEDERBAU.

 

ÖKOLOGISCH BAUEN WIRD BELOHNT

Beim Bauen auf Nachhaltigkeit zu achten, ist nicht bloß gut fürs persönliche Gewissen. Ökologisches und ressourcen- schonendes Bauen liegt im Interesse der Gesamtgesellschaft und wird deshalb von der öffentlichen Hand auch belohnt. So sieht die Tiroler Wohnbauförderung etwa eine Zusatzförderung für energiesparende und umweltfreundliche Maßnahmen vor. „Wird der Ökoindex unterschritten, dürfen die Baukosten etwas höher ausfallen, ohne dass die Wohnbauförderung verloren geht“, erklärt Anton Rieder. „Aber diese Unterschreitung lässt sich nur mit einer umfassenden Ökobilanzierung nachweisen bzw. nur mit Ökoanalysen schon in der Planung eines Gebäudes erreichen. Dabei hilft uns die Software SCALE.“

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