Herbst Winter 2025

Im Gespräch mit Alexandra Seliger, RIEDERBAU Architektur

Für die Architektin Alexander Seliger zählt, was hinter der Fassade steckt. Im Interview spricht sie über die Kunst, Wünsche zu erspüren, Räume zum Leben zu erwecken und trotz enger Vorgaben kreative Lösungen zu finden. Sie erklärt, warum gutes Design immer Fingerspitzengefühl braucht, weshalb Licht und Budget unterschätzte Gestaltungskräfte sind – und wieso die enge Zusammenarbeit mit den Handwerker*innen für sie der größte Vorteil ihres Berufs ist.

Du machst Architektur und Innenarchitektur. Schaust du dir ein Haus lieber von außen oder von innen an? Ganz ehrlich: eigentlich von innen, weil ich schon oft das positive Erlebnis hatte, dass mich das Innere gegenüber dem, was das äußere Erscheinungsbild erwarten ließ, vollkommen überrascht hat. Jedes Gebäude hat ein Geheimnis und manches ist so überraschend, dass ich jetzt spontan sagen würde, das Innere beeindruckt mich mehr.

 

Worauf kommt es denn an, wenn man ein Gebäude plant? Zunächst auf den Willen und das Gefühl, etwas ganz Eigenes zu konzipieren, wobei ich den Nutzen, einen zeitgemäßen Umgang mit Substanz und Materie sowie eine ansprechende Optik zusammenzufügen versuche.

 

David Chipperfield hat auf diese Frage einmal nur geantwortet: Dass es schön wird. (Lacht) Es gibt natürlich Architekten, die jenseits von Geld, Normen und Vorgaben denken dürfen. Das ist eine Sonderklasse – und die braucht die Welt unbedingt! Für mich gelten andere Parameter.

 

Wo fängst du mit der Planung eines Gebäudes an? Bei den Kundenwünschen.

 

Kennen die Kundinnen und Kunden ihre Wünsche? Ja, aber die wenigsten können sie verbalisieren. Die meisten haben eine ungefähre Idee – meine Aufgabe ist es, dieser nachzufühlen und sie räumlich umzusetzen. Was ein Einfamilienhaus sein kann, ist beispielsweise sehr dehnbar. Ich versuche, das einzugrenzen. Dazu braucht es vor allem Fingerspitzengefühl. Im Gespräch taste ich mich an den Gebäudetyp heran, den es zu entwickeln gilt, natürlich entlang der Parameter wie Flächen, Abstände und Vorgaben usw., die manchmal schon ein ziemliches Korsett sind. Und wenn man nicht gleich trifft, was wirklich gewünscht ist, hilft es, in Vergleichen zu denken und Alternativen anzubieten. So komme ich dem großen Ganzen immer näher.

 

Thomas Oberhuber und Boris Arnold haben erzählt, dass du ihr Gebäude von innen nach außen gedacht und auf diese Weise eine Art Mittelblock geschaffen hast. Das hat sie sehr beeindruckt. Wie schön!

 

Wie bist du auf diesen Dreh gekommen? Im Prinzip so wie vorher schon beschrieben. Die Bedürfnispalette der Auftraggeber war sehr breit. Ich habe mir das dann ein bisschen wie ein Karussell gedacht. Es gibt eine Basis in der Mitte, die Stütze sozusagen, und alles andere darf „drumherumflattern“. Außerdem war Licht ein starkes Thema: Im Zentrum sind jene Räume untergebracht, die nicht nach Tageslicht verlangen.

 

Wie wichtig ist das Budget für gute Architektur? Sehr wichtig. Ich versuche, mit Maß und Ziel Akzente zu setzen. Wie viel darf etwas kosten? Nun, letztlich geht es darum, welche Wirkung ich erzielen möchte, und es spielt natürlich auch der Zeitgeist unseres Lebens und Arbeitens eine wesentliche Rolle, wofür ich zu investieren bereit bin. Muss ich als Unternehmen in eine Mitarbeiter-Lounge investieren? Nein, muss ich nicht. Aber welche Wirkung hat das? Dass sich Mitarbeitende in meinem Betrieb viel wohler fühlen und gerne zusammenkommen, weil es dafür einen schönen Platz gibt.

 

Stichwort Mitarbeiter-Lounge. Bei RECON bist du mit dem Interior beauftragt worden. Das Gebäude selbst war aber schon geplant, du konntest die Einrichtung also nicht von Anfang an mitdenken. Wie ist das? Das macht‘s spannender. Weil ich die Parameter nicht selbst in der Hand habe und beim Zeichnen erst schauen muss: Geht das rein oder nicht? Muss ich umdenken, muss ich’s drehen? Oder überhaupt noch mal neu ansetzen? Das ist herausfordernd.

 

Wie viel musste denn aufgrund deiner Vorstellungen umgeplant werden? Zunächst sieht das nach nicht viel aus. Seitens der Projektplanung heißt es sinngemäß, schmeiß mal deine Möbel da rein. Und dann geht’s los: Wie jetzt, diese Trockenbauwände sollen weg? Was kommen denn da für Stoffwände hin? Und die sollen mit der Fußbodenleiste bündig sein? Die Gebäudehülle verändert sich also nicht. Aber im Inneren sind ganz viele Kleinigkeiten zu bedenken.

 

Du arbeitest nicht in einem klassischen Architekturbüro, sondern in einem Bauunternehmen mit verschiedenen Gewerken. Du hast also diejenigen, die deine Pläne umsetzen müssen, ganz nah. Betrachtest du das als Vor- oder Nachteil? Als absoluten Vorteil.

 

Warum? Die Kolleginnen und Kolleginnen merken schnell, dass ich nicht als Obergschaftlhuawarin daherkomme oder bloß mein Chichi unterbringen will. In der Zusammenarbeit sehen sie, dass ich technisch mitdenke und wirtschaftlich plane. Wir ziehen an einem Strang. So entsteht gegenseitiges Vertrauen und sie bringen aktiv ihre Fragen, Bedenken und/oder Vorschläge ein. Auf diese Weise arbeiten wir an einer gemeinsamen Lösung. Dieses Miteinander ist enorm wertvoll – fachlich wie menschlich.

 

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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