

Herbst Winter 2025
Im Dialogverfahren Richtung Zukunft
Am Knappenstubenareal in Fieberbrunn entstehen ein neues Feuerwehrhaus und zwei Wohngebäude. Tiroler Wohnbau als gemeinnütziger Bauträger realisiert mit RIEDERBAU als Totalunternehmen den siegreichen Entwurf von Architekt DI Christian Öller und Baumeister DI Florian Hinterholzer. Das Projekt überzeugt ästhetisch, funktionell und mit Nachhaltigkeit.
Auf einer Nettonutzfläche von 1.218 m² entsteht das neue Feuerwehrhaus, in zwei Baukörpern daneben finden 20 geförderte Mietwohnungen Platz. Das v-förmige Grundstück im Bereich der ehemaligen Knappenstube wird bestmöglich genutzt, ohne auf Grünflächen und Freiraum zwischen den Baukörpern zu verzichten. Das eingereichte Projekt punktete im Wettbewerb sowohl architektonisch als auch wirtschaftlich.
Mit der Vergabe dieses Projekts hat die Gemeinde Fieberbrunn einen zunehmend beliebteren Weg beschritten: Ausgeschrieben wurde nicht zunächst ein Architekturwettbewerb und anschließend die Bauausführung, sondern ein Gesamtpaket im sogenannten Dialogverfahren. Wettbewerber mussten mit der gestalterischen Planung auch ein Abwicklungskonzept sowie eine Kalkulation für das gesamte Bauvorhaben bis hin zur Refinanzierung durch Mieteinnahmen einreichen. Eingeladen waren die gemeinnützigen Wohnbauträger.


"Wir haben in Fieberbrunn immer wieder Bauvorhaben realisieren dürfen und freuen uns sehr, dass wir dieses kommunale Projekt gewonnen haben!"
Arch.(r) DI Peter Hertscheg
Projektleiter Tiroler Wohnbau
Für die Gemeinde hat dieses Ausschreibungsverfahren einen entscheidenden Vorteil: Sie weiß genau, worauf sie sich finanziell einlässt, und zwar nicht nur für die Bau-, sondern auch die Nutzungskosten. Für die Wettbewerber ist ein solches Verfahren äußerst fordernd. In kurzer Zeit müssen viele Informationen gesammelt, Konzepte entwickelt und Preise errechnet werden. Bei einem Architekturwettbewerb sind technische Angaben wie die Elektro- oder Installationsplanung oder Kalkulationen bis hin zum zukünftigen Mietpreis nicht verlangt. „Ein solches Angebot kann man nur im Rahmen eines kompetenten Teams legen“, erläutert Projektleiter Arch.(r) DI Peter Hertscheg von Tiroler Wohnbau, „deshalb ist es wichtig, einen Partner wie RIEDERBAU von Anfang an mit im Boot zu haben.“ Entscheidend war auch die Wahl des Architektenteams: „Mit oeller architekten ZT GmbH haben wir einen Profi für Feuerwehrhäuser und mit Bmst. Florian Hinterholzer einen Planer aus Fieberbrunn mit wertvoller Ortskenntnis ins Team geholt“, berichtet Peter Hertscheg. „Damit so ein Projekt gelingt, müssen die Zuständigkeiten gut verteilt sein. Da wir schon öfter mit Tiroler Wohnbau zusammengearbeitet haben, wissen wir schon, wie wir gemeinsam eine solche Aufgabe anpacken“, betont auch Lukas Hechenblaickner, Geschäftsbereichsleiter für Wohnbau und Öffentlichen Bau bei RIEDERBAU, die Bedeutung strategischer Zusammenarbeit.
IM DIALOG ZU GUTEN LÖSUNGEN
Im Dialogverfahren haben der Auftraggeber, in diesem Fall die Gemeinde Fieberbrunn, und die Wettbewerber die Möglichkeit, vor der Abgabe des Angebotes Ideen und Optionen zu diskutieren und zu konkretisieren. „Die Idee, ein altes Feuerwehrauto, auf das die Feuerwehr Fieberbrunn besonders stolz ist, prominent im Foyer zu positionieren, konnte im Rahmen der Dialoggespräche präzisiert werden“, erzählt Peter Hertscheg. Eine besondere Herausforderung bei der Projektentwicklung war die Kombinutzung der zur Verfügung stehenden Fläche. „Wir mussten den Grund für das Feuerwehrzentrum und die Wohnanlage teilen, weil Letztere wohnbaugefördert errichtet wird. Außerdem kann der Bau nur in zwei Etappen erfolgen, weil Bestandsgebäude erst abgerissen werden können, sobald das neue Feuerwehrhaus steht. Auch unsere Vorschläge für die räumliche und architektonische Lösung dieser grundlegenden Fragen sind im Dialog weiterentwickelt worden.“ „Das Projekt hat primär dank der tollen Architektur gewonnen“, betont Lukas Hechenblaickner, „aber ohne die integrale Planung mit BIM und das umfassende Projektmanagement ginge es nicht.“

"Wir freuen uns, für die Realisierung dieses zukunftsweisenden Ensembles die Verantwortung übernehmen zu dürfen."
Lukas Hechenblaickner
Geschäftsbereichsleiter für Wohnbau und öffentlichen Bau bei RIEDERBAU
In der ersten Bauphase ab Herbst 2025 wird das Feuerwehrhaus umgesetzt. Es wird massiv gebaut und bietet den Feuerwehrkamerad*innen eine zeitgemäße Infrastruktur. Es verfügt über Schulungsräume, ein Katastrophenschutzlager, ausreichend Lagerflächen, eine Waschbox, eine Teeküche sowie einen Kommandoraum. Der neue Standort für die Feuerwehr wird die Reaktionszeiten verkürzen und damit die Sicherheit in der Gemeinde erhöhen. In der zweiten Bauphase entstehen zwei Baukörper mit insgesamt 20 geförderten Mietwohnungen. Die Wohnanlage wird in Hybridbauweise errichtet, d. h. ein Stahlbetonskelett trägt Fassadenelemente in Holzbauweise. Mit einer Luftwärmepumpenheizung, einer PV-Anlage, Dachbegrünung und kontrollierter Wohnraumbelüftung wird für eine umweltfreundliche Nutzung der Gebäude gesorgt. Dass eine gemeinnützige Wohnbaugesellschaft auch Feuerwehr kann, mag auf den ersten Blick überraschen. Aber Infrastruktur umzusetzen, die der Gesellschaft und dem Leben der Menschen nützlich ist, passe durchaus zum Auftrag der Gemeinnützigen, meint Peter Hertscheg. „Es ist schon unsere fünfte Feuerwehr, die zweite gemeinsam mit RIEDERBAU. Wir hoffen auf eine reibungslose Abwicklung und freuen uns jetzt schon auf die Übergabe dieser Anlage, auf die die Gemeinde Fieberbrunn stolz sein kann.“

Vergabe im Dialogverfahren
- Der öffentliche Auftraggeber, z. B. eine Gemeinde, lobt einen Wettbewerb aus.
- Unternehmen stellen einen Teilnahmeantrag.
- Der Auftraggeber wählt geeignete Bewerber aus und lädt diese anonym und einzeln zu einem ersten Dialog über das Bauvorhaben ein.
- In meist zwei Dialogrunden können Auftraggeber und Wettbewerber Wünsche sowie technische und finanzielle Lösungen diskutieren.
- Zu einem Stichtag legen alle Wettbewerber ihr Letztangebot („last and final offer“).
- Eine Jury bestimmt das Siegerprojekt.