

Frühjahr Sommer 2026
Was ist gutes Design?
RIEDERBAU baut nach Plänen externer sowie interner Architekturschaffender. Je nach Vertragsmodell (Totalunternehmen | Design & Build oder Generalunternehmen) wird bei RIEDERBAU selbst entworfen oder eine fremde Idee umgesetzt.
„Mein Eindruck ist, dass viele freischaffende Architektinnen und Architekten häufig für die Schublade zeichnen“, stellt Ivan Tadic, Teamleiter Architektur bei RIEDERBAU-Immobilien, fest. „Mir erscheint eine kritische Distanz zu den ausführenden Firmen wichtig“, meint Architekt Michael Fuchs aus Innsbruck. Diese Aussagen zeigen: Zu Design & Build gibt es aus Sicht der Kreativen durchaus gegensätzliche Positionen.
FUNDAMENT hat mit beiden gesprochen und festgestellt, dass die Ansichten über Design gar nicht weit auseinander liegen. Das Gleiche gilt für das Ziel: Bauwerke zu schaffen, die lange nutzbar sind und Freude machen. Der größte Unterschied liegt im Rollenverständnis: Während sich der freie Architekt entschieden an der Seite der Bauherrschaft sieht, betrachtet sich der RIEDERBAU-Architekt verantwortlich für das gesamte Projekt, also etwa auch für die aus der Planung resultierenden Bedingungen auf der Baustelle. Am Anfang jedes Bauprojekts steht ein Entwurf – die Verantwortlichen dafür werden bei RIEDERBAU, ob intern oder extern, hoch geschätzt.
Mit parc.architekten aus Innsbruck hat RIEDERBAU bislang nicht zusammengearbeitet. Uns interessiert, wie ein freier Architekt zu Design und Design & Build steht. Michael Fuchs studierte in Innsbruck und Paris und war vor Gründung seines Architekturbüros Assistent am Institut für Städtebau, Universität Innsbruck. Mit seinem Team gewann er bereits mehrere Wettbewerbe und unter anderem auch einen Staatspreis für Architektur.
Ihr Büro nimmt jährlich an mehreren Wettbewerben für ganz unterschiedliche Gebäudetypen teil. Woher kommen die Ideen? Man sucht sich immer einen Ausgangspunkt. Der kann ganz verschieden sein: das Grundstück, die umgebenden Gebäude, die angestrebte Funktion oder eine Wettbewerbsvorgabe – der Ausgangspunkt ist meist etwas, woran man sich reibt, etwas, das es zu hinterfragen gilt, wo man einhaken kann. Nichts ist schlimmer als ein komplett leeres Grundstück ohne Einflüsse.
Welchen Einfluss haben die Bestandsobjekte auf eure Entwürfe? Einen sehr großen! Wir betrachten Gebäude immer im Kontext. Wenn man die Umgebung der Gebäude ansieht, muss man entscheiden, ob sich der neue Baukörper anpassen soll oder vielleicht auch nicht. Anpassung heißt nicht, dass das Neue gleich oder ähnlich aussieht wie das Alte – man kann auch reagieren, indem man Fluchten weiterführt, Materialien oder Gestaltungselemente übernimmt. Oft sieht man das erst auf den zweiten Blick, aber es ist wichtig, es schafft Zusammenhang.
Gutes Design schafft also ästhetische Harmonie? Das wäre natürlich schön, muss aber nicht unbedingt so sein. Bei Gebäuden denken wir in anderen Zeiträumen als etwa bei Autos, die wir heute auch nicht mehr so bauen wie vor 30 Jahren und die alle paar Jahre getauscht werden. Es kann also sein, dass ein neues Gebäude aus dem Kontext fällt, aber Anstoß für die Weiterentwicklung der Umgebung gibt: Architektur muss mit der Zeit gehen und manchmal muss sie auch vorausgehen. Man muss das nur bewusst machen, muss ehrlich sein und nicht zu eitel.
Was bedeutet „nicht zu eitel“? Man soll den Bestand einbinden und mitnehmen, nicht krampfhaft übertrumpfen.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Designprozess? Eine ganz große Rolle! Der Schlüssel zur Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit liegt vor allem in einer klugen Planung, die nicht nur an den Energieverbrauch der Gebäude denkt, sondern auch die Nutzung mitdenkt. Am nachhaltigsten sind Gebäude, die auf vielfältige Weise genutzt werden können.
Die größte Verschwendung sind Gebäude, die nur eine Sache können und dann die meiste Zeit ungenützt herum-stehen. Ein Fußballstadion braucht man alle zwei Wochen zwei Stunden lang. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich sehr gerne einmal eines planen würde. Ich würde vielleicht versuchen, eine Mehrfachnutzung anzuregen, vielleicht Champignon-Anbau unter den Tribünen oder Heilkräuteranbau am Spielfeldrand ...
Moderne Architektur hat es ja nicht immer leicht, die Menschen zu erreichen. Wie gelingt euch das? Gebäude werden oft auf die Formensprache, auf den „Stil“ reduziert. Dabei kommunizieren viele Gebäude auch mit Gesten, die eher auf emotionaler Ebene verstanden werden. Unser Musikpavillon in Bramberg beispielsweise lädt mit weit geöffneten Armen zur Begegnung ein. Wenn die Geste emotional ankommt, ist das Warum dahinter nicht so wichtig. Hauptsache, es gelingt, mit dem Projekt Gemeinschaft zu inszenieren.
Wie viel Überzeugungsarbeit müsst ihr leisten, um eure Projekte umzusetzen? Das braucht schon oft seine Zeit. Ich sehe es als wichtige Aufgabe des Architekten, der Architektin, die Vorgaben und Vorstellungen zu hinterfragen, auch wenn es mühsam ist, und oft nicht der aller kürzeste Weg zu einem zufriedenen Bauherren. Aber dafür nimmt dieser sich ja einen Fachmann ... Das durchschnittliche Alter von Gebäuden in Österreich liegt bei über 50 Jahren. Je länger die Gebäude genutzt werden, umso wirtschaftlicher und auch ökologischer sind sie. Etwas länger nachzudenken, bevor man baut, ist gut investierte Zeit. Wir sind da mitunter ein bisschen anstrengend, aber wir sind es im Sinne der Bauherrschaft!
Stichwort Zusammenarbeit. RIEDERBAU strebt mit den Prozessmodellen GU, TU, Design & Build eine bessere und konfliktärmere Zusammenarbeit aller Beteiligten am Bau an. Können Sie als freier Architekt dem etwas abgewinnen? Auch wir sind froh, wenn wir mit bewährten Partnern zusammenarbeiten können. Einem Bauherrn Fachplaner oder Handwerksbetriebe vorzuschlagen, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat, dient einfach einem produktiven Prozess. Streiten verbraucht sinnlos Energie! Ich glaube aber, dass nicht alles aus einer Hand kommen muss; entscheidend ist, dass kompetente, ehrliche und verlässliche Persönlichkeiten am Werk sind!
Können Sie sich vorstellen, mit einem GU wie RIEDERBAU zusammenzuarbeiten? Ja, sehr gut sogar! Unabhängige, neutrale und nur der Bauherrschaft verpflichtete Architekten führen meiner Meinung nach zu den besten Ergebnissen, auch wenn unsere Arbeit in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft nur auf die oberflächliche Gestaltung der Gebäude reduziert wird. Am liebsten sind wir bis zum Schluss dabei! Wir bieten auch die örtliche Bauaufsicht an und können so gemeinsam mit kompetenten Ausführenden die Qualität unserer Projekte zusichern.
Vielen Dank für das Gespräch!
Ivan Tadic absolvierte sein Architekturstudium an der TU Wien und arbeitete als Studienassistent am dortigen Institut für Städtebau. Anschließend war er im renommierten Büro CEHL bei Christoph Lechner (Nachfolge Gustav Peichl) tätig. Uns interessiert, warum er sich für die Tätigkeit in einem Bauunternehmen entschieden hat und wie er Design innerhalb eines integralen Prozesses sicherstellt.
Wo beginnt die gedankliche Reise im Design-&-Build-Prozess, Ivan? Das unterscheidet sich im Grunde nicht von der Arbeit in einem freien Architekturbüro. Am Anfang steht der Entwurf und genau dort werden die wichtigsten Weichen für das Projekt gestellt. Dort wird es gewonnen oder ruiniert. Das heißt, der Stellenwert der architektonischen Qualität ist im integralen Prozess nicht geringer.
Wo zeigen sich deiner Erfahrung nach die Unterschiede? Im Design-&-Build-Prozess wird früher über Gestaltung entschieden. Das zwingt uns zu Klarheit. Sätze wie „Das schauen wir später genauer an“ oder „Das lösen wir in der Ausführungsplanung“ versuchen wir zu vermeiden.
Wie? Indem wir alles – Raum, Raster, Konstruktion, Fassade usw. – von Anfang an zusammendenken. Wenn ich wissen möchte, ob eine Idee technisch oder wirtschaftlich möglich ist, gehe ich ins Büro nebenan und habe in fünf Minuten eine Antwort. Das heißt nicht, dass meine Ideen verschwinden – aber sie müssen sich bewähren, und zwar über den gesamten Prozess hinweg.
Stichwort Kalkulation: Fühlt ihr euch von budgetären Vorgaben domestiziert? Im Gegenteil: Wer Kosten, Bauabläufe und Rahmenbedingungen kennt, entwirft freier – nicht enger. Kosten und Termine im Blick zu behalten, betrachte ich als Teil der planerischen Qualität. Ein schönes Detail, das nie gebaut wird, ist für mich kein gutes Design. Und überhaupt: Wir leben im Jahr 2026 und bauen für die nächsten Generationen. Das bezieht sich nicht nur auf die Formensprache, sondern auch auf gesellschaftliche und soziale Fragen: Wir müssen die Wohnkosten in den Griff bekommen. Warum sollen wir das Budget also nicht von Anfang an mitbedenken?
Gilt das für jedes Bauwerk? Wenn der Auftraggeber das nötige Kleingeld hat, dann nicht. Aber gerade im Wohnbau müssen wir im Kostenbereich tun, was möglich ist. Und als Bauträger für eigene Projekte schauen wir auch aufs Geld.
Bei RIEDERBAU arbeiten alle integral an einem digitalen Modell. Schränkt euch das ein? Nein, ich behaupte sogar, dass ich auf diese Weise die Fäden länger in der Hand halte. Richtig ist, dass Entwerfen im Design-&-Build-Prozess mit der Fachplanung und der Ausführung stärker verzahnt ist und wir Kreativen unser gestalterisches Ego ein bisschen zurückstellen müssen. Die Projektkontrolle bleibt bei der Architektur, die Verantwortung jedoch tragen wir gemeinsam.
Fällt es dir leicht, dieses Ego zurückzustellen? Ich war ja – wie einige meiner Kolleg:innen im Team auch – in einem klassischen Architekturbüro tätig. Da wird mir persönlich zu viel für die Schublade gezeichnet. Ich wollte mehr bauen. Bei RIEDERBAU bin ich Projektleiter und wir pflegen eine ausgeprägte Feedback-Kultur. Es ist erwünscht, dass selbst Auszubildende auf Fehler in Projekten hinweisen. Da darf man nicht eitel sein ... beharrlich ja, aber nicht eitel.
Hat deine Design-Arbeit ein Leitprinzip? Aufrichtigkeit. Ich mag keine Fake-Materialien. Ich mag es, wenn man den lebendigen Charakter eines Bauwerks, das Gemachte, sieht. Die Lufteinschlüsse und Kieskörner in einer Betonwand, die Markierungen des Poliers oder den Meterriss – wenn es nach mir geht, darf man das alles sehen. Aber über Geschmack kann man bekanntlich streiten ...
Was ist gutes Design im Rahmen von Design & Build jenseits dieser vielleicht etwas speziellen Vorliebe? Gutes Design entsteht durch die methodische Abstimmung aller gestalterischen, architektonischen, technischen, wirtschaftlichen und zeitlichen Parameter und nicht ausschließlich durch ästhetische Aspekte. Im Design & Build zeigt sich gutes Design darin, dass keine Bruchstellen entstehen. Mein Team und ich streben nach Bauwerken, die räumlich überzeugen, baulich funktionieren und prozessual tragen.
Und wie steht es mit der Nachhaltigkeit? Nachhaltig zu planen und zu bauen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die Architektur stellt sich den Themen der Zeit, aber sie muss den Moden der Zeit gegenüber kritisch bleiben. Die einfachen Lösungen – viel Glas ist böse, viel Holz ist gut – sind keine. Auch hier gilt es, das Ganze zu sehen und jedes Gebäude für sich in seiner Umgebung und seiner Funktion zu bewerten.
Sitzt du als Architekturschaffender in einem Bauunternehmen nicht zwischen den Stühlen, also zwischen Bauherrschaft und Bauausführung?Anders gefragt: Wem gegenüber fühlst du dich verpflichtet? Ich bin vor allem dem Projekt als Ganzem verpflichtet. Ich bin dann zufrieden, wenn Entwurf und Ausführung ein Miteinander sind und das Ergebnis ein Bauwerk ist, über das sich die Nutzerinnen und Nutzer freuen. Und eines ist sicher: Am Ende merken die Menschen nicht, welches Vertragsmodell hinter einem Projekt stand – sie merken nur, ob sie sich in dem Gebäude wohlfühlen.
RIEDERBAU-ARCHITEKTUR
Aktuell sind bei RIEDERBAU zwei Frauen und drei Männer mit abgeschlossenem Architekturstudium beschäftigt. Im Team von Ivan Tadic arbeiten drei Mitarbeiter:innen mit abgeschlossenem Architekturstudium, zwei Student:innen (Architektur bzw. Landschaftsarchitektur) sowie ein Bautechnischer Zeichner mit abgeschlossener Maurerlehre.
Projektgrößen: von der Busstation (Region Wilder Kaiser, ca. 10 m²) bis zu Wohnquartiersentwicklungen (Clarapark, ca. 14.000 m²)
Wettbewerbsbeiträge (Architektur) 2025: Feuerwehrstation in Fügen, Villa am Hintersteiner See, Busstationen Region Wilder Kaiser
Traumberuf Architekt
Der dem Namen vorangestellte Berufstitel Architekt / Architektin ist in Österreich geschützt und darf nur von Personen geführt werden, die in der Kammer der Ziviltechniker:innen eingetragen sind. Absolvent:innen eines Architekturstudiums bei RIEDERBAU werden daher als RIEDERBAU-Architekt:innen, Planer:innen oder Architekturschaffende bezeichnet.